Die Neue Synagoge

Durch den Zuzug der Juden aus der ehemaligen Sowjetunion stieg auch in der Jüdischen Gemeinde Dresden die Notwendigkeit nach einem größeren Gotteshaus, um allen Betern künftig genügend Platz zu bieten. Die neue Synagoge sollte jedoch kein Wiederaufbau der alten Sempersynagoge sein, sondern architektonisch die Diskontinuität jüdischen Lebens in Dresden thematisieren. Die von Gottfried Semper erbaute Synagoge wurde während des Novemberpogroms 1938 zerstört. Daran und an das Schicksal der Dresdner Juden mahnt unweit des alten Standorts ein sechsarmiger Leuchter aus Stein, der der siebenarmigen Menora nachempfunden wurde und symbolisch an die sechs Millionen Juden erinnert, die durch die Nationalsozialisten in ganz Europa ermordet wurden. Einer der beiden vergoldeten Davidsterne, die ein mutiger Feuerwehrmann während des Novemberpogroms von der Sempersynagoge rettete, prangt heute über der Eingangstür der Neuen Synagoge.

Damit sich der moderne Neubau dennoch in die Silhouette des Dresdener Stadtbilds mit seinen Elbsandsteinbauten einfügt, verwendeten die Architekten Betonwerksteine, die mit Zusatzstoffen versetzt dem Sandstein ähneln.

Die Neue Synagoge ist ein monolithischer Block ohne Fenster, dessen introvertierter Charakter auf ihre Funktion als Raum der Konzentration und Andacht hinweist. Die Fassade weist eine Verdrehung Richtung Osten auf, die die Ausrichtung des Zeltes im Inneren widerspiegelt. Im Gegensatz dazu öffnet sich das gegenüberliegende dazugehörige Gemeindezentrum, in dem sich auch das Café Schoschana befindet, den Blicken der Besucher bereitwillig durch die verglaste Fensterfront und gewährt somit einen Einblick in sein Innenleben.

Das Innere der Synagoge bildet ein fragiles Gewebe aus bronzenen Metallringen, das in Anlehnung an die 40jährige Wanderung der Israeliten durch die Wüste das Zelt darstellt, welches den Israeliten als Heiligtum diente. Mit diesen beiden Gegensätzen – massive äußere Hülle und fragiler ritueller Innenraum – werden die Grunderfahrungen im Judentum von Dauerhaftigkeit und Vergänglichkeit, Zelt und Tempel thematisiert.

 

Neue Synagoge

Gemeindehaus und Synagoge

Eingang Synagoge

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