Die Sempersynagoge

Am 21. Juni erfolgte die Grundsteinlegung der Dresdner Synagoge durch den Bauherrn Gottfried Semper. Das Gelände befand sich östlich vom Promenadenring, im Westen angrenzend zu dem 1820 angelegten Gondelhafen und zum Norden hin befand sich der Militärbahnhof. Da der Bau umgeben war von mehrstöckigen Häusern, die nur die Südseite offen ließen, musste Semper entgegen der üblichen Ost-Westrichtung, der Blick nach Jerusalem, den Haupteingang zwischen Turm und Betsaal an die südliche Seite legen. Die Westseite gestaltete Semper als imposante Hauptfront, die jedoch keinerlei Funktion hatte. 

um  1900        Aus der Luft

Als Grundform wählte der Bauherr Semper einen Würfel. Im Inneren bildete sich so ein übersichtlicher und ausgewogener Raum für das Gemeindeleben. Die Außenfront entsprach den klassischen Elementen der Romanik, z.B. Rundbogenfries im Traufbereich und ein zwerggalerienartiges Fensterband. Ganz nach den Ansprüchen der Romanik ließ die äußere Form auf die Raumaufteilung im Inneren schließen. Allerdings wählte Semper für die Gestaltung des inneren Bereiches den maurisch - byzantinischen Stil. Angelehnt an die Alhambra in Granada befanden sich in der Sempersynagoge die Arkaden zwischen den Hauptpfeilern im Betraum, die als Zackenbogen ausgebildet waren. Des Weiteren schmückten viele Blattverzierungen  die Wölbungen der Bögen, welche als gitterförmig verzierte Holzprofile die Gleichmäßigkeit schufen.

Der Thoraschrein Die Bima

Zur Blütezeit der Israelitischen Gemeinde in Dresden, um 1900, wuchs die Zahl der Gemeindemitglieder auf ca. 6000, so daß man sich 1935 noch um einen Anbau bemühte, der weitere 150 Plätze schaffte. In den darauf folgenden Jahren nahmen die antisemitischen Ausschreitungen zu und 1938 kam es zur Zerstörung der Synagoge. Nur einer der beiden Davidssterne von den Türmen konnte gerettet werden. Diese Davidssterne waren ebenso ungewöhnlich wie die Dresdner Synagoge an sich. Gottfried Semper vereinigte in den vergoldeten Sternen das alte Symbol der Gesetzestafeln mit dem Schild Davids, das zwei gleichschenklige Dreiecke miteinander verbindet, die  im 14. Jahrhundert von der Kabbala als die Durchdringung der sichtbaren und unsichtbaren Welt verstanden wurde.

November 1938                          

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